Archiv für 'Krimi'Kategorie

liste der favoriten, teil 3 (vautrin)

17. November 2009

Eben vor dem Bücherregal.  Suche nach einem noch nicht gelesenen Krimi.  Fing ‘Die Frau im Pelzmantel’ von Martha Grimes an – ging gar nicht. Das Buch flog schon nach wenigen Seiten in die Ecke. Kurz und schmerzlos.

Ich hatte allerdings immer noch nichts zu lesen. Ich schwankte: Vielleicht was von Elizabeth George? Ebenfalls noch ungelesen? Wahrscheinlich keine gute Idee so direkt nach David Peace (da komme ich in einem späteren Beitrag noch zu). Weiterhin unschlüssig, unleidlich. Bis ich auf einen alten, dafür aber recht schlanken Schinken kam:

„Er hieß Hippo – wie Hippolyte.

Er war schizo – wie schizophren.“

So lässt Jean Vautrin seinen 1974 erstmals erschienenen Krimi ‘Billy-ze-Kick’ beginnen. Ich habe ihn viele Jahre nicht mehr gelesen und kann daher nicht sagen, ob er mir immer noch so gut gefällt wie bei der ersten Lektüre. Aber allein weil er sich mir mit diesem ziemlich abgedrehten Werk ins Hirn eingegraben hat, gebührt Vautrin ein Platz auf der ‘Liste der Favoriten’.

liste der favoriten, teil 2 (sallis)

12. Oktober 2009

Obwohl sein letzter in Deutschland veröffentlicher Krimi ‘Dunkle Schuld’ eher nicht so richtig gut bei Krimi-Coach.de besprochen wird (ich selber habe das Buch noch nicht gelesen), so zählt James Sallis auf jeden Fall zu meinen Lieblingsautoren. Dabei gefallen mir insbesondere seine Noir-Thriller jenseits seiner in New Orleans angesiedelten Lew Griffin-Krimis. Sallis beeindruckt in ‘Deine Augen hat der Tod’ und ‘Driver’ vor allem durch seinen Minimalismus, der von erstaunlichem Tiefgang ist. Die auf den ersten Blick leichte Lektüre hat es in sich. Sallis entwickelt eine Wucht, die ihresgleichen sucht. Für den im Jahre 2007 erschienenen Krimi ‘Driver’, der 2005 unter dem Originaltitel ‘Drive’ erstmalig veröffentlicht wurde, erhielt er 2008 den Deutschen Krimi Preis als bester internationaler Krimi.

Problematisch ist im Übrigen, dass solche Krimis oft nur in einer klitzekleinen Auflage erscheinen und schnell vergriffen sind. Sie werden zwar gerne Jahre später von einem anderen Verlag wieder veröffentlicht, doch dann muss auf den Originaltitel geachtet werden, weil den deutschen Ausgaben gerne ein neuer Titel verpasst wird.

liste der favoriten, teil 1 (sjöwall/wahlöö)

14. September 2009

Ich bin gebeten worden, eine Liste der besten fünf Krimis aufzustellen. Das haut so nicht hin. Es gab und gibt immer wieder neue Lieblingskrimis. Ich werde daher an dieser Stelle zunächst einmal zehn Krimis bzw. deren AutorInnen  vorstellen, die ich für besonders bemerkenswert halte.

Ich fange mit den beiden an, denen ich die weitere Krimilektüre zu verdanken habe: Maj Sjöwall und Per Wahlöö. Das schwedische Autorenpaar erfand in ihrem zehnbändigen Krimizyklus, den sie Roman über ein Verbrechen nannten, nicht nur die Person des Kommissars Martin Beck. Ihre gesellschaftskritischen Kriminalromane, die in Schweden zwischen 1965 und 1975 erschienen, unterschieden sich auch wohltuend von den deutschen Krimis jener Jahre (und nicht nur jener). Trotz teilweise beißender Sozialkritik kam beim schwedischen Duo nur selten der bei deutschen Krimiautoren allzu oft anzutreffende erhobene sozialdemokratische Zeigefinger zum Vorschein.

Ich las die Krimis Mitte der 80er Jahre während meines Studiums an der FU Berlin. Einige Sätze meines Lieblingsbands ‘Verschlossen und verriegelt’ haben es sogar in meine Diplomarbeit (es ging um Beschäftigungsmöglichkeiten von SozialhilfeempfängerInnen) geschafft. Mit Sjöwall/Wahlöö war der Grundstein für ein bis heute anhaltendes Interesse an Kriminalromanen gelegt.

Fortsetzung folgt.

altersstarrsinn

17. August 2009

Sieht man sich an, welche Preise Marcel Reich-Ranicki schon alle erhalten hat, kann man nur sagen: Hut ab. Zugegeben, ich habe gar keinen Hut, aber dennoch, Respekt. Trotzdem frage ich mich, gelten für verdiente Literaturpäpste eigentlich andere Spielregeln als für normal Sterbliche? Gestern beantwortete er unter der Rubrik „Fragen Sie Reich-Ranicki“, die regelmäßig in der FAS erscheint, eine Frage von Markus Soworka zur literarischen Qualität von Kriminalromanen. Nach einer generellen Ablehnung dieses Genres verbat er sich, ihm künftig Fragen zur Trivialliteratur zu stellen.

reich_ra

Diese Aussage ist zweifelsfrei richtig, denn es hat doch keinen Sinn, Fragen an Reich-Ranicki zu stellen, die er gar nicht beantworten kann. Anscheinend endet sein Verständnis zum Kriminalroman (sofern er überhaupt eins hat) bei einer Aussage von Thomas Mann – und der ist immerhin schon über 50 Jahre tot. Ich fänd es zu schön, wenn Thomas Pynchon den nächsten Nobelpreis für Literatur erhielte. Schließlich handelt es sich bei seinem zuletzt veröffentlichten Werk ‘Inherent Vice’ um einen Kriminalroman. Und von Herrn Reich-Ranicki wünsche ich mir, dass er sich hin und wieder einen Spruch von Dieter Nuhr zu Herzen nimmt: „Wenn man keine Ahnung hat. Einfach mal Fresse halten.“ Aber Nuhr ist für Reich-Ranicki wahrscheinlich auch zu trivial, als dass man ihm damit kommen könnte.

balla balla

7. April 2008

Als ob ich es nicht geahnt hätte. Die Lektüre meiner neuen Fußballkrimis fing schlecht an. Ich begann mit Sobo Swobodnik. Mensch muss sich das in etwa so vorstellen: Mann versucht sich als Wolf Haas-Imitator und schmückt sein Werk mit einer Vielzahl von Zitaten, die irgendwann, irgendein Fußballer angesondert hat. Das Ergebnis kann nur Balla Balla genannt werden. Welch ein Zufall, dass es sich hierbei auch um den Buchtitel handelt.

neuerscheinungen

31. März 2008

Erstaunlich, wie viele Fußballkrimis inzwischen geschrieben und auch veröffentlicht werden. Nach einigen Monaten, in denen ich mich nicht über die Neuerscheinungen informierte, habe ich heute versucht, mir einen Überblick über die neu erschienenen und zur EM 2008 erscheinenden Bücher zu machen. Da kam einiges zusammen, was ich anschließend im Buchladen meines Vertrauens bestellte. Leider befürchte ich, dass die Lektüre eher quälend sein wird. In den letzten Jahren hat sich der Fußallkrimi zwar beinahe schon als eigenes Genre entwickelt, doch vermisse ich die Qualität. Andererseits, warum soll in einem insgesamt boomenden Markt ausgerechnet diese Sparte für eine überdurchschnittliche Güte sorgen. Aber ich will den Tag nicht vor dem Abend schlecht machen. Jetzt ist erst einmal lesen angesagt. Alles weitere dann später an dieser Stelle.

unsitte

21. Januar 2008

Ich habe mich schon lange gefragt, was das eigentlich soll. Zunehmend verwenden Krimiautoren das Mittel eines Prologs, der sich im Laufe des Krimis auflöst. Meist kommt das alles sehr mystisch, verschwurbelt und geheimnistuerisch daher. Anlässlich der Besprechung des Krimis ‘Kind 44′ von Tom Rob Smith setzt sich FAS-Autor Peter Körte in der FAS vom 20.1.2008 mit dieser „Unsitte“ auseinander. Er empfiehlt den Lektoren, „diese Prologe einfach zu streichen und den Autoren ihr Manuskript mit der Bitte um Nachbesserung zurückzuschicken“. Uneingeschränktes Lob erhält er dafür von mir.

Doch ganz abgesehen davon, ‘Kind 44′ wird wohl nicht in meinem Bücherregal landen. Dann schon eher den neuesten Krimi von James Sallis. Wenn er so gut ist wie seine bisherigen, dann wird die Lektüre bestimmt ein Genuss werden. Nicht umsonst wird er für ‘Driver’ den Deutschen Krimipreis erhalten haben.